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Der Amoklufer von Winnenden hat CounterStrike gespielt. Nach Angaben des

Der Amoklufer von Winnenden hat CounterStrike gespielt. Nach Angaben des Polizeisprechers Nikolaus Brenner vom Donnerstag seien im Haus der Eltern von Tim K. mehrere Computer beschlagnahmt worden.

Darauf htten sich typische ComputerSpiele gefunden, in denen geschossen werde, unter anderen der EgoShooter CounterStrike. Auf einer Pressekonferenz um elf Uhr sagte Polizeisprecher Klaus Hinderer am Donnerstag in Waiblingen: Das Motiv hngt mit dem Internet zusammen. Auf den Computern des 17jhrigen Exschlers der Realschule wurde nach seinen Angaben eine Variante von CounterStrike gefunden. Darin sei ein Teil des Motivs fr den Amoklauf zu sehen. Tim K. hat also tatschlich CounterStrike gespielt. Damit befindet er sich in Gesellschaft von Millionen Spielern in aller Welt. Inklusive aller Varianten und Erweiterungen lagen die vom Hersteller Valve genannten Verkaufszahlen im Novermber 2008 bei 11.100.000 Spielen. Gbe es einen direkten Zusammenhang zwischen CounterStrikeSpielern und Amoklufern, msste einen bei diesen Zahlen die nackte Angst befallen

Vllig unertrglichDer bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist da schon weiter. Nach dem Amoklauf in Winnenden sprach er sich fr ein Verbot von ComputerGewaltspielen aus. Noch sei nicht klar, ob solche Spiele bei dem 17jhrigen Tter eine Rolle gespielt haben, sagte Herrmann am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk. Es seien aber Killerspiele auf dem Markt, die vllig unertrglich seien und gerade bei jungen Menschen Hemmschwellen herabsetzten. Es gebe Spiele, die den Spieler in die Rolle des Gewalttters versetzten, um andere Menschen hemmungslos abzuknallen. Solche Spiele haben meines Erachtens bei uns nichts verloren, sagte der CSUPolitiker. Herrmann wandte sich zugleich gegen Forderungen nach Metalldetektoren und bewaffneten Sicherheitsposten an deutschen Schulen. Ich kann mir nicht recht vorstellen, dass das das Schulleben ist, das wir uns letztendlich wnschen, sagte der Minister.

Totales Verbot von ComputerGewaltspielenAuch der Prsident der Deutschen Stiftung fr Verbrechensbekmpfung HansDieter Schwind hat nach dem Amoklauf von Winnenden ein totales Verbot von ComputerGewaltspielen sowie eine weitere Verschrfung des Waffenrechts gefordert. Der Neuen Osnabrcker Zeitung sagte der Professor fr Kriminologie: Dass der 17Jhrige auf der Flucht noch weiter um sich geschossen hat, ist ein Verhalten, das Jugendliche auch in Spielen wie Counter Strike oder Crysis lernen knnen.Computerspiele und Gewalt waren am Mittwochabend auch in Frank Plasbergs ARDTalkshow Hart aber Fair Thema. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, und Wolfgang Bosbach (CDU) forderten nach dem Amoklauf nicht nher bestimmte Konsequenzen fr den Umgang mit Computerspielen, in denen die Gewalt dominiere. Tom Westerhold, ComputerspielExperte des WDR, hielt dagegen: Es drfe nicht um ein Verbot gehen, sondern allenfalls um die Altersfreigabe.

Mahnende StimmenZum Glck bleibt die Forderung nach einem totalen Verbot von ComputerGewaltspielen nicht unwidersprochen. Der Klner Stadtanzeiger schrieb am Donnerstag: Glcklicherweise haben Politiker bis jetzt darauf verzichtet, ‚Killerspiele‘ zu verbieten. Nicht Spiele machen Jugendliche zu Ttern. Es sind Defizite in der Familie und in ihrem Umfeld, die sie in die Welt der Spiele und der monstrsen Selbstdarstellungen im Internet flchten lassen, wo sie den Rcher spielen knnen. Nicht der ‚Sog des Bsen‘ zieht junge Menschen in eine solche Scheinwelt, sondern ein Mangel an Selbstwertgefhl und gleichzeitig eine abnorme Selbstberschtzung.Und die sterreichische Tageszeitung Der Standard erinnerte daran, dass nach dem Amoklauf von Erfurt im April 2002 im deutschen Jugendschutzgesetz strengere Auflagen fr Gewaltvideos und Computerspiele verankert wurden. Die Debatte geht weiter. (AP/dpa/epd/nz)